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Datum
15.10.2020

Förderung für alte Solaranlagen läuft aus

Am 1.1.2021 endet die Förderung für über 20 Jahre alte Photovoltaik-Anlagen. Was die Betreiber jetzt unternehmen können.

Förderung für alte Solaranlagen läuft aus
(GettyImages/Westend61)

Die Photovoltaikanlagen der ersten Stunde werden demnächst 20 Jahre alt. Der Geburtstag ist aber kein Grund zum Jubeln. Denn zugleich fallen die Anlagen aus der staatlichen Förderung raus. Das heißt: Die bislang garantierte Einspeisevergütung von rund 50 Cent pro Kilowattstunde gibt es nicht mehr. Die Betroffenen haben zwar noch Anspruch auf eine Netzanbindung. Sie dürfen den erzeugten Strom aber nicht „wild“ einspeisen.

EEG-Novelle soll Lösung bringen

Im Ergebnis kann das dazu führen, dass Tausende noch gut funktionierender PV-Anlagen nicht mehr dazu beitragen, den Anteil an Solarenergie im Stromnetz zu erhöhen. Dass das nicht im Sinne des Klimawandels ist, ist auch der Regierung klar. Im gerade vorgelegten Regierungsentwurf für eine Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) ist daher vorgesehen, dass alte Anlagen übergangsweise die Möglichkeit erhalten sollen, den Strom weiter über den Netzbetreiber vermarkten zu können und den Marktwert abzüglich der Vermarktungskosten zu erhalten. Das kann für viele Immobilieneigentümer eine gute Lösung sein. Noch ist das Gesetz aber nicht verabschiedet.

Optionen für alte Anlagen

Bis dahin können sich die Betreiber die folgenden Alternativen durch den Kopf gehen lassen. Im Zweifel können sie dabei auch Experten konsultieren. Zum Beispiel die Energieberatung der Verbraucherzentralen oder einen Energieeffizienz-Experten .

Auf Eigenverbrauch umstellen

Der selbst erzeugte Strom einer wirtschaftlich abgeschriebenen Anlage ist generell immer günstiger als der, den man aus dem Netz bezieht. Dennoch muss man hier genau kalkulieren. Alte PV-Anlagen speisen den Solarstrom in der Regel vollständig in das Stromnetz ein. Wer ihn künftig vorrangig selbst nutzen möchte, muss die Anlage im Zählerschrank daher umklemmen lassen, sodass er direkt in den eigenen Kreislauf fließt. Dafür berechnet ein Fachbetrieb nach Informationen der Verbraucherzentralen bis zu 2.000 Euro. Wie schnell sich der eigene Strom rechnet, hängt damit also vor allem mit dem tatsächlichen Verbrauch zusammen. Der lässt sich jedoch mit kleinen Tricks optimieren, indem man etwa gezielt Wasch- oder Spülmaschine in den sonnigen Mittagsstunden laufen lässt. Wer sogar ein E-Auto laden muss oder eine Brauchwasserwärmepumpe betreibt, kommt noch schneller auf seine Kosten.

Den eigenen Verbrauch mit einem Speicher optimieren

Die meisten Anlagen produzieren weit mehr als man selbst verbrauchen kann. Der Überschuss lässt sich per Einbau eines Speichers ebenfalls nutzen. Die aktuellen Modelle sind oft aber noch recht teuer. Inzwischen gibt es nach Aussage des Solar Clusters Baden-Württemberg Batterien, die inklusive Leistungselektronik und Mehrwertsteuer 800 Euro pro Kilowatt Speicherinhalt kosten. Hinzu kommt die Installation. Noch dürfte das den Nutzen in vielen Fällen übersteigen. Aber: Experten erwarten, dass die Kosten weiter fallen.

Direktvermarkter

Was selbst nicht mit Batterie verbraucht werden kann, können Anlageneigentümer theoretisch noch an einen Direktvermarkter verkaufen. Es gibt auch sogar Dienstleister, die diesen Service für kleine Anlagen anbieten. Für die Direktvermarktung muss die Anlage indes bestimmte technische Voraussetzungen erfüllen, die wiederum mit hohen Kosten zum Beispiel für spezielle Zähler- und Messtechnik verbunden sind. Alles in allem übersteigen diese Kosten meist den Marktwert des eingespeisten Stroms, wie das Umweltbundesamt analysiert.

Allerdings ist auch hier etwas in Bewegung. So bieten inzwischen vereinzelt Stromversorger an, den produzierten Strom zum Marktwert abzunehmen – wenn der Anlagenbetreiber als Kunde zu dem Versorger wechselt. Die Angebote muss sich der Interessent genau anschauen und gegenrechnen.

Anlagen-Checkup und Versicherung

Ganz wichtig: Wer die Anlage weiter betreiben will, sollte sie auf jeden Fall noch einmal sicherheitstechnisch überprüfen lassen. Das kann einerseits bei der generellen Entscheidung helfen, ob sie weiterlaufen soll. Andererseits ist das erforderlich, weil die Betreiber für die Sicherheit und den Schutz vor Gefahren durch die Anlage verantwortlich sind.

Auch der Versicherungsschutz sollte geklärt werden „Eine spezielle Elektronikversicherung, die viele Anlagenbetreiber abgeschlossen haben, ist vergleichsweise teuer und nach Ablauf der Förderung wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll“, meint Michael Schwarz, Leiter Sachversicherungen bei MLP. Oft lassen sich die Anlagen auch ganz unkompliziert über die Gebäudehaftpflichtversicherung ergänzen.

Eine neue Anlage

Vielleicht ist es am Ende besser, die alte durch eine neue Anlage zu ersetzen. Vorteil: Neue Anlagen sind wesentlich leistungsstärker. Sie produzieren auf dergleichen Fläche oft doppelt so viel Strom wie die alten PV Anlagen. Der Betreiber erhält dann auch wieder eine Einspeisevergütung – jeweils die, die am Tag gültig ist, an dem die Anlage in Betrieb geht. Die liegt aktuell jedoch leider nur bei knapp 9 Cent pro Kilowattstunde.

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